Donnerstag, 16. November 2017

Let's Do It a Dada!

Tja, es war zugegeben nicht gerade ein Schnäppchen, sich die auf „Greatest Hits“-Tour befindlichen EINSTÜRZENDE NEUBAUTEN im Duisburger Theater am Marientor in der dritten Reihe sitzend anzusehen, aber man lebt nur einmal, ich hatte schwer Bock drauf und hab‘s rückblickend auch null bereut…
 
Das ruhigere (aber tolle!) ‘The Garden‘ vom 96er Album „Ende Neu“ mag eine etwas seltsame Eröffnungsnummer für die kurz nach acht zunächst noch nicht in voller Besetzung auf der Bühne stehenden Band zu sein. Lauter wurd’s direkt danach allerdings mit dem nächsten schnell mal eben abgehakten Alt-Hit, dem unkaputtbaren Übersong ‘Haus der Lüge‘. 
 
Interessant an der allgemeinen Dynamik der neuzeitlichen Neubauten ist der Kontrast zwischen dem Rock’n’Roll-Urviech-mäßig rüberkommenden Alexander Hacke am Bass und dem schicker gekleideten und gesetzter wirkendem Rest der Band. Nicht nur rein optisch, denn man bekommt im Verlauf der Show immer mehr das Gefühl, dass der sehr agil performende Hacke dabei auch derjenige ist, der das Ganze zusammenhält und dirigiert, während Frontmann Blixa Bargeld nicht wirklich verstecken kann, die ganze Zeit eine kleine Fernbedienung für seinen Teleprompter in der Hand zu haben.
 
Nach dem eher nostalgischen Eröffnungsdoppel folgen jedenfalls erst mal eine Reihe Songs von Post-Jahrtausenden-Veröffentlichungen wie „Alles wieder offen“, „Perpetuum Mobile“ und „Silence Is Sexy“.
Man pendelt zwischen etwas lauteren Ausbrüchen und entspannteren Stücken.
Roadies sortieren immer wieder mal die Bühne etwas am, damit Perkussionist N.U. Unruh und Drummer Rudolf Moser auf selbstgebauten Instrumenten wie Plastikohren oder Metallschrott musizieren.
In ‘Von Wegen‘ rein wird auch mal eben ‘Halber Mensch‘ angetäuscht. 

Vor dem großartigen „Silence Is Sexy“-Hit ‘Sabrina‘ hat Blixa eine witzige Anekdote über dessen Entstehung parat, bei der der Name Detlev Buck fällt.
 
Man geht ein erstes mal von der Bühne, lässt sich zurückklatschen und nach ‘Ein leichtes leises Säuseln‘ knallt ‘Let's Do It a Dada‘ dann herrlicherweise mal so richtig, bevor es nach ‘Total Eclipse of the Sun‘ (auch einer dieser sehr tollen ihrer entspannteren Songs) ein zweites mal von der Bühen geht.
Auch zum Gesangsstück ‘Salamandrina‘ gibt’s beim Start des zweiten Zugabenblocks eine amüsante Anekdote, bevor als Schlussnummer ‘Redukt‘ paritell noch mal richtig schön kachelt.

Dass im Gegensatz zu anderen Tourdates von neulich der „Silence Is Sexy“-Titeltrack und ‘Die Interimsliebenden‘ vom meinerseits sehr geschätzten „Tabula Rasa“-Album fehlten ist bei einer fast zweistündigen Show wohl verschmerzbar.
Den USB-Stick mit dem Konzertmitschnitt zu holen habe ich mir verkniffen, da wir lieber die nächste Bahn kriegen wollten anstatt am Merchstand erstmal ‘ne halbe Stunde anzustehen.
Aber ich sach’s ganz offen: Wucherticketpreis hin oder her – es war ja doch ziemlich toll und ich würd’s wieder tun!

Mittwoch, 15. November 2017

Müllmauer

Tja, auch so kann’s gehen: Kurz hatte ich damit geliebäugelt, mir vielleicht mal die Instrumentalrocker And So I Watch You From Afar (deren selbstbetiteltes Album von 2009 ich nach wie vor immer wieder gern mal höre, allerdings ohne die Band danach groß weiterverfolgt zu haben…) in der altehrwürdigen Zeche Carl zu Essen anzugucken, aber das dann wieder verworfen und mich eher auf Wohnzimmerabend eingestellt. Dann jedoch wies mein Kumpel Hörmän ze Dschjörmän kurzfristig drauf hin, dass man im AZ Mülheim die japanische Krawallcombo WALL OF TRASH live begutachten kann, was man mir nicht zwei mal sagen musste. Bei jenen handelt es sich nämlich sozusagen um einen jungen Off-Shoot der kultigen Grindcoreler Conga Fury

Zunächst eröffneten GAES von irgendwo aus der Gegend den Abend.
Die teilweise die meiste Zeit mit dem Rücken zum Publikum agierenden Jungspunde fuhren ganz nettes Grind-/ Powerviolence-Gelärme mit derbem Gekrächze, Stockholm-Gitarrensound und EHG-mäßigen Feedback-Doom-Pasaagen auf und waren so zwanzig Minuten lang definitiv sehr unterhaltsam, auch wenn in den letzten fünf Minuten dann mal rigendwie ein bisschen die Luft raus war. Was mit daran lag, dass man von der Gitarrenarbeit über weite Strecken nur breiigen Lärm wahrnahm. Keine Ahnung, ob’s mit am Sound in der Location oder am Gitarristen selbst lag…
Außerdem lasse ich nur ungerne den spießigen alten Sack (der ich ohne Frage bin) raushängen, aber diesen Retro-Asi-Modestil der alternativen Jugend von heute kapiere ich ja nicht wirklich…

Danach dann die Japaner. WALL OF TRASH machen mit ihrem Thrashcore schon ziemlich Laune. Vor allem die kleine – im wahrsten Sinne des Wortes – Frontfrau Oden mit ihrer Stachelfrisur amüsiert und begeistert damit, permanent durch den gesamten Publikumsraum zu rennen und wirklich jeden mal anzubrüllen und/ oder anzurempeln und/ oder gar anzusprigen.
Es war für die kleine Runde Krachgeballer zwischendurch mit Exotenbonus jedenfalls wirklich ziemlich spaßig!

Dienstag, 14. November 2017

Dieser Tage raus (KW46)

Diese Woche heißt’s wohl eher mal Qualität statt Quantität, auch wenn der Ferner-liefen-Notizzettel auch schon wieder das eine oder andere zusätzlich interessante aufzeigt. Heute alles mal nach Relevanz anstatt alphabetisch sortiert…

GODFLESH – Post Self
Bei GODFLESH bin ich ja schon so ein bisschen Fanboy. Dass sich ihr neues Album wieder etwas mehr auf ihre elektronisch und postpunkigen Einflüsse berufen soll, anstatt primär nur die Metalriff-Kelle zu schwingen, damit kann ich ganz gut leben und irgendwie passt’s ja auch in den aktuellen (Underground-) Zeitgeist.



THE BODY & FULL OF HELL - Ascending a Mountain of Heavy Light
Die Gigadistortion-Sludger THE BODY und die Grindcoreler FULL OF HELL bündeln ihre Kräfte und gemeinsame Vorlieben für Harsh-Noise und Industrial-Lärm ein zweites Mal zu einem chaotischen Kollaborationsalbum.
Mit auf der Gästeliste übrigens: Brian Chippendale von Lightning Bolt!



DEATH TOLL 80K – Step Down
Grindcore aus Finnland auf Svart Records.
Ein Album, das ewig in der Mache war und dessen Cover keine Fragen mehr offenlässt. 

 

NO SISTER – The Second Floor
Dass NO SISTER aus Australien gerne mal mit Sonic Youth verglichen werden, dürfte u.U. auch mit der äußeren Erscheinung liegen, denn eine eigentlich schon plakativ-unprätentiöse Indie
™-Aura kann man nicht von der Hand weisen.
Ansonsten wird gerne auch mal der Begriff Postpunk rangezogen, man ist irgendwie kühl und poppig zugleich unterwegs. 


 
NORTHLESS - Last Bastion of Cowardice
Die Label Gilead Media und Halo of Flies teilen sich den Vinyl-Release des neuen Albums von NORTHLESS.
Jenen möchte man an Stiletiketten alles mögliche nachsagen, das irgendwie im Zeitgeist Sinn macht: An Sludge-Doom, Death Metal, Punk, Noise- und Postrock soll alles mit drin sein. Naja. Wer bösen Schlepptempo-Metal/-Hardcore mag ist hier aber wohl grundsätzlich nicht so ganz falsch.



Und sonst noch?

Auf Art As Catharsis erscheinen diese Woche mit BOLT GUN‘s „Man Is Wolf To Man“ und KURUSHIMI’s „Return 1: Kimon“ zwei neue Alben an modernem Düster-Prog (erstere) bzw. Noise-Jazz (zweitgenannte).  


“The Subervsive Nature of Kindness” von THOR & FRIENDS (ja, Thor Harris) dürfte mit eigenwilliger Minimalismus-Kammermusik ein ziemlicher Kontrast zu dem ganzen Lärm sein, der hier sonst so aufgelistet ist. 
Eine Bandcamp-Seite scheint’s leider nicht zu geben, einen Komplet-Stream kann man aber immerhin bei Brooklyn Vegan hören

Und wir haben auch noch THE BUG: Der wie immer viel raushauende Dub-Hero Kevin Martin hat diese Woche auch schon wieder was neues am Start

Vergangenen Freitag haben ULVER außerdem bei Bandcamp überraschend ‘ne Resteverwertung ihrer aktuellen Pop-Phase rausgehauen, inkl. Cheesy-Coversong


Wenn es dann auch mal wieder Ultratrve-Rumpel-Metal sein darf, haben 20 Buck Spin ein bisschen neues Black-Thrash-Geklöppel von DAEVA am Start


Die Isländer Black-Metaller SVARTIDAUDI haben ferner ’ne neue 7“-EP via Ván draußen und auf ihrer Bandcamp-Seite.
 

Eine digitale Wiederveröffentlichung von APARTMENT 213‘s "Cleveland Power Violence"  gibt’s diese Woche auf der Bandcamp-Seite von Magic Bullets Records.
Die weitere Resteverwertung "Collected Violence" erscheint an gleicher Stelle in der kommenden Woche.

Montag, 13. November 2017

[bolt] benutzt Strobos (Doppel-Release-Konzert in Duisburg)

Freitagabends in Duisburg: Im gemeinsamen Proberaum/ „Studiokomplex“ (ja, das kann man wirklich schon so sagen) luden MAGMA WAVES und [BOLT] semi-öffentlich zur gemeinsamen Record-Release-Show.
Als Gäste hat man VALERIAN SWING aus Italien mit am Start, die den Abend ca. halb neun eröffnen.

 
Wenn ich mal ganz ehrlich bin, war mir der Stil des Trios schon einen Hauch zu proggy, etwas zu viel auf ein mal wollend, sich Song-mäßig ein bisschen zu unschlüssig zwischen ausuferndem Instrumental-Gedudel, Keyboard-Einlagen und Gesangspart mit Vocoder (oder sowas ähnlichem) verlierend, und der Drummer in Unterbuchse ist ein ziemlicher ShowOff-Typ - man muss ihnen allerdings dennoch doch mal recht neidlos attestieren in ihrem eigenen Ding auf einer Bandbreite von Postrock bis Prog-Metal voll aufzugehen, handwerklich Oberliga-mäßig unterwegs und insgesamt durchaus nicht gänzlich unoriginell zu sein.
Von daher war’s als Live-Begegnung durchaus mal ganz unterhaltsam!

Der Auftritt der Drone-Doomer [BOLT] findet danach im Nebenraum statt und startet mit einem langen Intro bei minimalster Beleuchtung.
Es kommt einer nach dem anderen der drei Bandmitglieder dazu. Das von ihrem neuen Album „(04)“ dargebotene Material steigert sich daraufhin, ewig lang arrangiert, von so etwas wie einem Abtauchen in minimalistisch-atmosphärische Postrock-Tiefen bis zu einem Black-Metal-beeinflussten Finale inkl. Blastbeat-Gewitter. Und zum Schluss ist die weitgehende Dunkelheit dazu dann auch einem Strobo-Dauerfeuer gewichen (weswegen auch ein Warnzettel im Vorraum hängt).
Sehr cool!

 
Die den Abend wieder im anderen Raum abschließenden MAGMA WAVES wiederum machen - und das meine ich am ehesten als so ‘ne Art von wertneutraler als wirklich kritisierender Feststellung – eigentlich Instrumental-Postrock nach Schema F. Von den stilistischen Mitteln fällt das Ganze halt nicht wirklich weiter auf, zumal genau sowas heutzutage auch zig andere Bands machen, aber die Darbietung ist knackig und kurzweilig, hat Atmosphäre und Energie. Kann man machen!
Es war auf jeden Fall
sehr nett bei Euch in Duisburg und hatte fast schon einen Hauch von Roadburn-Feeling...

Freitag, 10. November 2017

Kunst und so… (Yan Jun, Yorgos Dimitriadis, Membranes)

Der Name Mex steht für „intermediale und experimentelle Musikprojekte im Künstlerhaus Dortmund“. Eine Veranstaltungsreihe, die dieser Tage ihr 25jähriges verzeichnet.
Der Startschuss der Jubiläumsfeierlichkeiten fiel am vergangenen Donnerstag mit einer Künstlerzusammenstellung, die auch für Lärm-liebende Kulturbanausen wie mich sehr interessantes abwarf:

 
YORGOS DIMITRIADIS ist ein in Berlin lebender gebürtiger Grieche, der solo eine Schlagzeugperformance mit Elementen wie Kontaktmikros, auf dem Standtomtrommelfell vibrierendem Ding, Streichbogen u.ä.  kombiniert, und dabei eine Brücke zwischen dem schlägt, was man so als modernen oder Contemporary Jazz bezeichnet, und dem, was eigentlich schon in die Richtung geht, die Möglichkeiten eines Instrumentes in Richtung Noise auszuloten.
Zwischenzeitlich war sein reines Schlagzeugspiel von wirklich virtuoser und packender Natur, zu anderen Zeitpunkten seines Auftritts ging es aber mehr darum, Klänge von Fellen und Becken elektronikverstärkt wirken zu lassen.
Sehr cool!


Was mit MEMBRANES folgte, war dann allerdings ehrlich gesagt erstmal mehr so mittel. Zwei Typen an Laptops, an die eigens kreierte Gerätschaften angeschlossen sind, die  Bassdrumfelle (eben Membranen)  pluckern und rattern lassen, während LED-Screens dazu Buchstabenreihen ausgeben.
Es war zwischenzeitlich mal für fünf Minuten interessant, aber die volle halbe Stunde lang doch etwas langatmig und irgendwie pointless, zumal sich einem die immer wieder mal nicht wirklich vorhandene Synchronie der lautlichen und visuellen Aspekte des Ganzen, sowie eine etwaige Bewegung, Choreografie oder Komposition nicht so richtig erschließen wollte. 


Zum Schluss erstaunte dann allerdings YAN JUN mit einer klanglich über weite Strecken eher subtilen Performance aus Geräusch und Bewegung. 
 
Der Chinese lässt eine wie genau auch immer geartete Gerätschaft auf den Raum, auf seine Bewegungen (er führt wirklich einen ziemlichen Ausdruckstanz auf), auch mal seine Stimme oder einem rütteln am Tisch, auf dem die Technik steht mit entsprechendem Fiepen, Rauschen und Brummen reagieren.
Während eine lautere Soundwall-Passage aus den Boxen vibrierend im Raum steht setzt er sich auf einen Stuhl im Publikum, um dem selbst für einen Moment ruhig zu lauschen, nur um kurz später das, was er selbst als „eher Breakdance als Tai Chi“ bezeichnet, fortzusetzen, bis die Darbietung Decrescendo-mäßig zum Ende kam.
Tatsächlich interessant, kurzweilig und mal was anderes!

Montag, 6. November 2017

Dieser Tage raus (KW45)

AIDAN BAKER / SIMON GOFF / THOR HARRIS – Noplace
Ein Woche bevor Ex-Swans-Percussionist Thor Harris das Album seiner neuen Hauptband veröffentlicht, trommelt er auch im Rahmen dieser Impro-Kollaboration mit Gitarrist Aidan Baker (Nadja und hundert andere Projekte…) und Violinist Simon Goff (Molecular, Bee & Flower).
Ob man derartige Spontan-Jams aus reiner Konsumentensicht wirklich für die Nachwelt konserviert braucht oder nicht, ist natürlich so eine Sache, aber da ich bei Musik ja durchaus ein Verfechter von Vielfalt und eher unkonventionellem bin… 



CHAOS ECHOES - The Unfathomable EP
Am vergangenen Wochenende haben CHOAS ECHOES, die nun schon länger versuchen sowas wie die (neuzeitlichen) Swans des Death/ Black Metal zu sein, ihre „Unfathomable EP“ rausgehauen, eine improvisierte 1-Track-Aufnahme.
Ein weiterer regulärer Longplayer mit kontrolliertem Krach ist auch schon unterwegs.



CHOMPER - Medicine Mountain
Darf’s etwas Garage Rock aus Brooklyn sein?
Mitglieder von u.a. The Men, Dream Police und Guided by Voices sind der Ansicht, dass der Trend zur Drittband geht und wähnen sich als CHOMPER vor allem auf den Pfaden von The Stooges und MC5.


 
EXOSKELETONS - We Are Here To Make Things Better  
Die Mitglieder der englischen EXOSKELETONS wiederum kennt man auf der Insel wohl schon aus Bands wie Bear vs Manero, Houdini und Punching Swans, während ich an von anderen angebrachten Vergleichen schon alles mögliche von Queens Of The Stone Age (naja) bis Shellac und Blood Brothers bis Melvins aufgeschnappt habe.
Noise-Punk/ Alt-Rock/ Post-Hardcore, der ferner durch einen gewissen SciFi-Faible inspiriert wurde.


GROUND PATROL – Drift
Das australische Label Art As Catharsis hat diese Woche das New Yorker Duo GROUND PATROL am Start, das sich der Instrumentalmusik mit postrockigen Songaufbauten und polyrhythmisch-progressivem Math-Gefriemel verschrieben hat.
Einer der drangehfetten Erklärungsversuche lautet „Battles auf LSD“…



MERACHANT – Beneath 

On Beneath, Merchant combine the ritualism of drone, the brutality of sludge, and a progressive approach to composition to create one of the most impressive pieces of Australian doom in many years.” ist die Label-Einschätzung zu diesem Teil.
Sicherlich dieser Tage nicht ganz einfach, in dieser aktuell etwas überlaufenen Stilecke noch zu beeindrucken, auf der anderen Seite braucht man sich allerdings wohl keine Sorgen um einen Mangel an Roadburn-relevantem Frischfleisch zu machen…

 

NEKRASOV - The Mirror Void  
Und noch mal Australien: Die mit einer kleinen Pause in der Biografie schon länger aktive Ein-Mann-Band NEKRASOV kann man durchaus als eine der Pionierangelegenheiten betrachten, wenn es darum geht Black Metal mit Industrial/ Harsh Noise/ Dark Ambient zu vermengen. Durchaus eine Symbiose, die sich immer mehr zu einem eigenen Underground-Subgerne kultiviert, welches langsam aber sicher auch schon Einzug in die Wahrnehmung des allgemeinen Metal- und Krachfreunde-Kosmos hält, und ein Ansatz, der auf dem Papier mehr als logisch auf mich wirkt, mich in der Ausführung allerdings nur selten wirklich zu begeistern weiß…


SOMNURI – s/t
Mit einem Ex-Mitglied der grandiosen, leider aufgelösten Hull und einem von Family in den Reihen (deren 2012er Album „Portrait” ich ja seinerzeit auch ganz cool fand…), sind SOMNURI eine Band aus der, nun ja, Hipstermetaller-Szene Brooklyns, bei der man schon im Vorfeld davon ausgehen konnte, dass das handwerkliche passen wird. 
Und ja: Selbst bei meiner mittelschweren Übersättigung an derartigem, weiß der Sludge'n'Stoner-Metal des Trios, der sowohl mit lebendigem Sound wuchtig nach vorne rollt, als auch einen gewissen Pop-Appeal mitbringt, mich durchaus zu packen.



STNNNG / CHILD BITE  Split LP
Erwähnenswert an dieser Split-LP von STNNNG (Minneapolis-Noiserock mit einem der Heroine Sheiks) und CHILD BITE ist vor allem, dass letztere ihrem stetig wechselndem Line Up nun auch noch eine Aufnahme mit Wes Borland (!) an der Gitarre hinzugefügt haben, in dessen Studio das Ganze auch in Angriff genommen wurde. 



Und sonst noch / last but not least
 
Die Bochumer Drone-Doomer [BOLT] haben diese Woche ein neues Album (ihr erstes mit Drummer) auf dem eigenen Label Narshardaa (CD,Tape) bzw. beim belgischen Label Dunk Records (Vinyl-Version) am Start.

(DOLCH) veröffentlichen dieser Tage „III“ via Ván Records. Auf Tour gabs die LP wohl schon vorab zu kaufen, bei Bandcamp dürfte sie erfahrungsgemäß erst etwas später noch aufschlagen.


EXPLODED VIEW aus Mexico und Berlin machen auf ihrem zweiten Album sowas wie Kraut-Dub/ Psychedelic-Postpunk: explodedview.bandcamp.com


Das dritte Album der Hamburger THE MOTH ist via This Charming Man unterwegs. Es soll etwas dreckiger und derber klingen als die beiden Vorgänger (fänd‘ ich gut!).


Bei Cold Spring erscheint außerdem „Gleipnirs Smeder“ von JOTUNSPOR, einem Projekt aus der zweiten Reihe des Dunstkreises von Gorgoroth, Sahg etc. und mit dem Typ von Wardruna. Black Metal, Dark Ambient, voll nordisch blablabla und Ihr habt echt keine Ahnung, wie leid ich diesen ganzen Wikinger-Klischeekram bin…

Freitag, 3. November 2017

AniYo kore

Es gibt sie ja doch noch, diese unerwarteten Perlen, die buchstäblich um die Ecke vor der Haustür zu finden sind…
Da ich nicht der Typ bin, der sich für irgendwelche Halloween-Partys verkleidet oder ähnlichen Mumpitz veranstaltet, landete ich vergangenen Dienstfeiertag mehr oder minder zufällig beim Konzert von ANIYO KORE im Dortmunder Rekorder. Und war beeindruckt!
Zwei Stimmen, Gitarre, Bass und Konserven-Beats. „Trip Hop“ ist eine Assoziation, die einem kommt, allerdings nimmt die minimalistisch an- und umgesetzte Musik der beiden - die wohl schon sowohl rein elektronisches, als auch akustisches gemacht, und sich jetzt neu gefunden haben -  auch immer wieder mal etwas seltsame Wege. Surreales Roadmovie-Flair? Ja, irgendwie schon!
Neben Portishead erinnerte mich das Ganze auch ein wenig an den Dark-Pop/ Postrock von Bands wie 27 oder Bee and Flower. Oder an Lynch mit Karen O.
Auf jeden Fall war’s eine nette Überraschung, ziemlich gut und hoffentlich der Anfang von noch mehr an sowas…