Dienstag, 18. Juli 2017

Dieser Tage raus (KW29)

AVERY BONER & THE BLONDE DICKS – The Dream Is Dead
Fragt mich jetzt bitte nicht, aus welchem Hut dieser wirre Zirkus-Punk gezaubert wurde, aber AVERY BONER & THE BLONDE DICKS sind ein ganz eigenes Kaliber, das zwei Schlagzeuger und einen Saxophonisten beinhaltet. 
Als hätte man den Weirdo-Faktor von Mr. Bungle oder Sleepytime Gorilla Museum mit der lärmigen Vehemenz früher Swans gekreuzt oder sowas.




GRIMMAGE - Lost in Paradise
Founded in 2012(…).The first songs where guitar/bass with electronic drums and theatrical voice. After creating several songs, Yannick (drums) joined the band and the direction changed from Industrial to Stoner/Doom Metal."
Das ist ja dann auch mal ’ne seltsame Entwicklungskurve. Für den wöchentlichen Fix an neuem Heavy Doom sind GRIMMAGE aus Lüneburg auf jeden Fall einen Reinhörer wert. Für den extradicken Sound sorgt mal wieder ein Mastering der Oldenburger Tonmeisterei.




NARROW LANDS – Everything’s Fine
Scheinbar ist’s eine allzu passende Randerscheinung des Noiserock-Revivals der letzten Zeit, dass in Erinnerung an AmRep-Aussies wie Lubricated Goat und Cosmic Psychos dieser Tage auch wieder ein paar energische Rock’n‘Roller und krachige Punks von down under auf sich aufmerksam machen.
NARROW LANDS tauchten gerade fast wie aus dem Nichts mit dem vergangenen Sonntag (!?) digital veröffentlichten „Everything’s Fine“ auf der Bildfläche auf und gehen mit ihrem lärmig und etwas kühl stampfenden Kram eigentlich schon am ehesten in eine No Wave/ Postpunk Richtung.




NINE INCH NAILS - Add Violence
Zugegeben sind die Zeiten, in denen ich sowas wie großer NIN-Fan war, auch schon lange vorbei. Interessieren tut’s mich trotzdem immer wieder mal, was Reznor so macht. Manchmal finde ich es nicht mehr so gut („Hesitation Marks“ – Mann, war das langweilig!), manchmal geht’s aber doch noch mehr als klar („Not the Actual Events“ – keine Großtat, aber schwerstens okay). Und so war’s wohl eigentlich auch mit How To Destroy Angels, die ja auch schon wieder in Vergessenheit geraten sind…
Diese Woche erscheint mit „Add Violence“ jedenfalls eine neue EP, mal wieder vorerst nur digital bzw. mit „Physical Compoment“ im Direktvertrieb: store-uk.nin.com/collections/music


OWLCRUSHER – s/t
"Blackened Sludge-Doom" aus Nordirland, der diese Woche scheinbar aus dem nichts auftauchte, aber sich wohl schon ewig in der Mache befand:



SLOTH – [diverse Einzeltracks]
SLOTH alias „Sloth of gulf coast Florida“ sind eine wirklich seltsame Band, die ihre Wurzeln im Sludge-Metal hat, aber im Laufe der Jahre mehr und mehr zu reinem Harsh-Noise-Kram überging, und bei der man ferner nicht mehr wirklich so genau sagen kann, was eigentlich Fiktion oder Fakt, ernstgemeint oder einfach nur noch Ulk ist.
So bezeichnen die beiden verheirateten Kernmitglieder ihren Stuff z.B. als „Vegan Black Noise“ und hauten im Verlauf dieser Woche auf Bandcamp täglich einen neuen Track raus, eigenwillige Coverartworks inkl.:
 



TAU CROSS – Pillar of Fire
Kann man auch kurzfassen: Album Nummer zwei der Band um den "Baron" der inzwischen zweifach aufgelösten Anarcho-Legende Amebix und mit Voivod’s unnachahmlichen Michel "Away" Langevin an den Drums.
Da bin ich dabei!




Last but not least:

Im Übrigen kam diese Woche auch "Landscape of Emergency" raus, das Debütalbum von COEUR ATOMIQUE, neue musikalische Spielwiese von Ex-/ Ur-Voivod-Basser "Blacky".

Das Label Art Of Propaganda hat zu Ehren eines verstorbenen Freundes eine 6-Way-Split LP veröffentlicht, zu der Asag, BÖLZER, Goatfukk, Antiversum, Deathcult und Blakk Old Blood jeweils einen exklusiven Song beigesteuert haben.
Das Teil ist auf 500 Stück limitiert und wird nur als ein Exemplar pro Besteller verkauft, mit individueller Kennzeichnung. 

Kriegt man hier: http://www.art-of-propaganda.de/shop/index.php 

Dienstag, 11. Juli 2017

Bob Log III, Dortmund

Endlich auch mal live gesehen: BOB LOG III.
Die „Ein-Mann-Band mit dem Fliegerhelm“ war mir dank Youtube und co. schon länger ein Begriff, so habe ich die Gelegenheit, ihn im gemütlichen Subrosa im Dortmunder Hafenviertel zu sehen, gerne mal ergriffen.
Für alle, die’s nicht kennen: BOB LOG III sitzt dort wirklich mit Fliegerhelm, im getönten Visier ein Telefonhörer, in den er reinsingt, mit Glitzerhemd und Gitarre, während er mit den Füßen Bassdrum und u.a. Pedal mit Clap bedient.
Seine Musik hat Delta-Blues-Flair und Rock’n’Roll-Rasanz, und mit dem etwas gezerrten Gesangssound, der seinen Helm per Funk verlässt, erinnert es dann im Gesamtpaket ferner schon an Blues-Punk-Noiserocker wie John Spencer.
Gerade auch als kleines Live-Spektakel zum Feierabendbier kann man sich das tatsächlich mal geben…
Witzige Randnotiz: Unterm Helm sieht der amerikanische Mittvierziger übrigens Atze Schröder gar nicht mal so unähnlich.

Montag, 10. Juli 2017

Dieser Tage raus (KW28)

In puncto Musikneuerscheinungen ist’s mal wieder ‘ne interessante Woche, weil ich einen bunten Strauß sehr verschiedenster Sachen auf dem Zettel habe: 

BOOT BUTTOM – Variations on a Cross, Vol. II
Vergangene Woche tauchten BOOT BUTTOM überraschend mit „Variations on a Cross, Vol. I“ auf der Bildfläche auf und boten dabei interessante Düsterhart-Musik mit Doom- und Industrial-Charakteristiken. „No Wave“ auch, wenn man so will.
Schon diese Woche schieben sie mit
... Vol. II neun weitere Tracks nach.   



DESTROYER OF LIGHT - Chamber of Horrors
Bock auf eine dieser Doom-Metal-Bands, die sich hörbar der Tradition ihrer Genre-Wegweiser verpflichtet fühlen, dabei aber dennoch nicht gänzlich auf neuzeitliche Sounds und eigene Ansätze verzichten?
DESTROYER OF LIGHT aus Austin, Texas könnten da evtl. passen!


 

EXPULSION - Nightmare Future
Relapse Records gehen diese Woche quasi mal back to the roots, indem sie “Nightmare Future” von EXPULSION veröffentlichen, sozusagen einer Grind-Supergroup mit (Ex-)Mitgliedern von Repulsion, Exhumded und Phobia. Gruesome und Intronaut könnte man auch noch nennen, um den Namedropping-Kreis zu schließen.
Sicherlich nix, worauf die Welt gewartet hat, aber als Freund gepflegtem Geballers sollte man es auf dem Zettel haben.


 

HAVE DEMONS - Fire Consumes Thin Air
Kurt Gluck alias Submerged und Gründer des Ohm Resistance Labels hat mit zwei Mitstreitern – Lacey Wood (Moog, Sounds) von You Will Choose Fire und Luke Lund (Beats), über dessen Label Terranean Recordings das Ganze auch erscheint - ein neues Projekt namens HAVE DEMONS am Start, bei dem er Bass spielt.
Man hat sich dem Genre „Dark Hop“ verschrieben, womit es u.a. auch Freunden von Dälek, The Bug oder Scorn ans Herz gelegt sei...




MAMMOTH SALMON - Magnetic Fields of Radiant Light
Herrlich schwer groovender Stoner-Sludge-Doom, bei dem eineinhalb Riffs schon für einen Song ausreichen, aus dem derzeitigen Mekka für sowas, Portland, Oregon.
Kann man machen!




OMAHARA – Omahara
Das australische Label Art As Catharsis hat es sich zur Aufgabe gemacht, Musik zu pushen, die „progressiv, psychedelisch oder einfach nur anders“ ist.
Die neuste Veröffentlichung ist die zweite selbstbetitelte der tasmanischen OMAHARA, die sich zwar etwas zu plakativ auf die Fahne schreiben, was „für Fans von Sunn O))), Locrian, Mammifer und Earth“ sein zu wollen, aber ihr als Live-Improvisation eingefangener Dark Ambient/ Drone-Doom, der von ruhigem Gewaber bis brachialem Geschepper pendelt, hat was!



PLYERS  - Clear

Ebenfalls über Art As Carthasis kommt “Clear” von den PLYERS aus Melbourne, die Daughters, Lightning Bolt und NoMeansNo als Einflüsse angeben, ihren psychedelischen Noiserock tatsächlich auch mit analog-elektronischem Lärm vermengen, und dabei auch immer wieder mal stilistische Abzweigungen einschlagen. 
Nicht ganz uninteressant!



POIZON - Church Is Poizon
„Spätsiebziger/ Frühachtziger L.A.-Punk gemischt mit sumpfigen Australien-Garagenrock“ lautet die Selbst- bzw. Label-Einschätzung zu POIZON, deren Mitglieder allesamt auch schon mal in anderen unbekannten Band gerockt haben.
Checken wir’s aus:


 
SQÜRL - EP #260
Filmemacher Jim Jarmusch macht auch Musik. Als „marginal rock band from New York City who like big drums and distorted guitars, cassette recorders, loops, feedback, sad country songs, molten stoner core, chopped and screwed hip-hop, and imaginary movie scores” beschreiben Sacred Bones Records das Ganze, die sich in der Vergangenheit ja durchaus schon durch einige sehr coole Veröffentlichungen hervortaten (The Men, Pharmakon, Psychic TV, Uniform, Zola Jesus, John Carpenter, David Lynch, …).



LAIBACH - Also sprach Zarathustra
Die Meister der „affirmativen Überidentifizierung“ sind ja, ich glaub‘ das könnte man so ausdrücken, eine Band, die mich einerseits sehr fasziniert, deren Musik ich zu Hause aber zugegeben eher nur seltenst mal auflege. 
Interessant finde ich es trotzdem immer wieder mal, wenn sie was rausbringen.
Auf ihrem neuen Album über Mute Records nehmen sich die Slowenen dem Thema Nietzsche an.

XORDOX – Neospection
Mit XORDOX‘ „Neospection” erscheint diese Woche das Debüt eines neuen, Synthie-lastigen Projekts von J.G. Thirlwell auf Vinyl, CD und digital.
Gitarristin Sarah Lipstate (Noveller) wirkt bei drei Nummern mit!
Direkt bestellen kann man es Übersee via foetus.org



Noch was? Ach ja: ‘ne neue INTEGRITY erscheint auch diese Woche via Relapse. Aber ganz ehrlich… das ist ja so ‘ne Band, die ich um die Jahrtausendwende durchaus mal gehört habe, die bei mir heutzutage allerdings diese Art von Sporthosenmoshercore-Assoziationen weckt, wegen denen ich mir derartiges nicht mehr anhören kann.

Dienstag, 4. Juli 2017

Blckwvs, Egypt, Münster

Premiere für mich: Zum ersten mal im Rare Guitar, einem auch Konzerte veranstaltenden Gitarrenladen unweit des Münsteraner Hauptbahnhofs, dessen Ambiente entsprechend nett ist, allerdings sah die Bude zu finden auf Googlemaps einen Ticken einfacher aus als es dann war… 
Die eröffnenden TRAPPED BY LIGHT bekam ich daher nur noch eher so nebenbei mit einem Ohr mit. Sorry, Jungs, das Los hat man halt manchmal als erste Band, ich kenne das selbst… Das noch gehörte der Münsteraner tendierte dabei in Post-Hardcore-Regionen und schien passagenweise allerdings durchaus ganz nett. 
Danach nahmen BLCKWVS Platz auf der niedrigen Bühne. Songtitel zu merken fällt mir bei denen etwas schwer (war das jetzt '0152 ON' oder '0154 ND'?), aber es gab eine nette Mischung aus immer wieder gern gehörten alten Bekannten und irgendwas, das mir neu war, und überhaupt macht das brummig-dröhnende Instrumental-Geknalle dieser Band, die stilistisch sowas wie eine generische Schubladenablage eher umschifft (für „Post-Metal“ zu dreckig, für „Sludge-Doom“ oft zu schnell und auch einen Hauch zu progressiv), wie immer Riesenlaune und lässt die Bude wackeln. Bin ja gespannt aufs neue Album, das inzwischen mit einiger Verspätung unterwegs ist… 
Die amerikanischen EGYPT wiederum sind so ‘ne Band, die man auf den ersten Blick (bzw. Hinhörer) auch etwas unscheinbar finden könnte, doch irgendwas macht das Trio auf seinem Mittelweg zwischen bluesig groovendem Stoner-Rock und einem kräftigeren Sludge-Metal-Sound samt rau-krächziger Vocals auch richtig, denn gut ins Ohr und auch ins Tanzbein geht das Ganze schon. Selbst zwischenzeitliche Ausflüge ins psychedelische funktionieren bei den Jungs ohne aufgesetzt drangeflanscht zu wirken. 
Hat sich durchaus gelohnt, sich das zur samstäglichen Zerstreuung mal zu geben!

 

Hätte ich allerdings im Vorfeld geahnt, was für ein Horror die Bahnfahrt zurück wird, da auch das „Vainstream“ in der gleichen Stadt stattfand, dessen Festivalgänger die Bahn laut mitgrölend mit Volbeat und Broilers beschallten, ja puh, vielleicht hätte ich mir das ja dann doch eher erspart…

Montag, 3. Juli 2017

Dieser Tage raus (KW27)

Ja Mensch, ist schon wieder Juli?! Die Zeit, sie verfliegt…

BOOT BUTTOM - Variations on a Cross, Vol. I
Industrial-Doom? Dark Ambient Drone meets Noise? Keine Ahnung, aber diese „Queer Anti-Music“ von BOOT BUTTOM aus Buenos Aires trifft mit düsterem Minimalismus, stampfenden Drums, dröhnenden Bässen und Metall-Geschepper in FM Einheit-Manier schon ziemlich gut den Nerv von mir, der sich in letzter Zeit immer stärker für experimentellen Noise-Kram und in ähnliche Richtungen schielende Grenzgänger-Musik interessiert.
Dass die Jungs dabei mit ziemlicher Sicherheit vom Swans-Debütalbum beeinflusst wurden (bzw. auf ihrer Facebook-Seite passenderweise u.a. auch Godflesh und Khanate angeben) kann man nicht überhören, und wer neben den erwähnten Swans, frühen Neubauten und diversen Justin Broadrick- und/ oder Stephen O'Malley-Projekten z.B. auch noch auf sowas wie Lustmord, Ramleh, C.C.C.C., Abruptum o.ä. steht, für den ist diese „Collection of home recordings and rehearsal takes” auf jeden Fall ziemlich interessant!



DEAD – A Dirty Mind Is A Joy Forever
Nicht zu verwechseln mit den australischen Noiserock-“Dead”, die in diesem Jahr auch schon ein (ja doch ganz gutes!) Album rausgebracht haben, machen die deutschen DEAD Death-Metal-Gerumpel alter Schule mit Grind-Wurzeln und pornös-humoristischer Kante.
Sicherlich trägt zugegeben gerade auch das ziemlich schrille Coverartwork dazu bei, dass „A Dirty Mind Is A Joy Forever” hier überhaupt mit auf dem Radar gelandet ist, wobei man allerdings sagen muss, dass FDA Records ja durchaus immer wieder mal brauchbare Sachen abwerfen (Keitzer, Fubar, Discreation…).



IMPURE WILHELMINA - Radiation
Nennenswert (naja) an den Schweizern IMPURE WILHELMINA ist für mich ja vor allem, dass sie vor gefühlten hundert Jahren mal ein ziemlich gutes Album namens „I can’t believe I was Born in July“ gemacht haben, das ich jedes Jahr um meinen Geburtstag herum mal auflege (bzw. digital abspiele), da dieser tatsächlich im Juli liegt…
Diesen Juli gebären sie selbst ihren sechsten Longplayer und ich wollt‘ wohl mal wieder reinhören, auch wenn mir persönlich ihre Mischung aus Metal und Emo nach besagtem „I can’t believe…“ doch zu deutlich mehr und mehr in Richtung „poppiger Stadion-Metalcore“ abdriftete…



MELVINS - A Walk With Love & Death
With A Walk With Love & Death, the trio of Buzz Osborne, Dale Crover and Steve McDonald showcase two distinct sides of the band’s music: Death, a proper Melvins’ release and Love, the score to the Jesse Nieminen directed, self-produced short also titled A Walk With Love & Death. / The 2CD set features two separate digipaks housed in a sturdy box. The 2LP set features two separate gatefolds in opaque pink vinyl (Death) and opaque violet (Love), housed in a sturdy box along with a download card.
Noch mal ausholen oder eher kurzfassen? Ich versuche den Mittelweg: Es ist irgendwie typisch MELVINS, dass sie eines der besten Rock-lastigen Alben, das sie seit längerem gemacht haben, mit einer Kurzfilm-Soundtrack-Arbeit kombinieren, die eher in eine Richtung irgendwo zwischen „Prick“ und Throbbing Gristle geht. 
Die Rock-Hälfte des Gesamtpakets ist eines der besten Alben, das die MELVINS seit den starken „(A) Senile Animal“ und „Nude With Boots“ gemacht haben. Auch, weil sie hier eher den Gegenpol angesteuert haben: Das Rock-Album des Doppelpakets ist ein eher etwas zurückgelehntes als mit Wumms nach vorne gehendes (Ausnahme: Die Neuaufnahme von ‘Euthanasia‘, 1990 schon mal auf einer „Dope-Guns-'N-Fucking In The Streets“ veröffentlicht) und dabei wirklich, sehr, sehr geil (momentaner Lieblingssong: „Sober-delic (acid only)“)! Scheibe Nr. 2 besteht dann – „Prick“ und „Colossus of Destiny“ lassen grüßen - vorwiegend aus Geräuschen und ist daher durchaus auch streitbar, aber hey – so sind die MELVINS und dafür liebe ich sie.



SHROUD EATER- Strike The Sun
Dieser flotte Dreier aus Miami zeigt schon länger das Potenzial, sich in der Sludge’n‘ Stoner-Metal-Ecke vor allem als bessere Kylesa und vielleicht sogar jugendlich-frische Ausgabe von High On Fire etablieren zu können, während (na sagen wir mal) experimentellere Anwandlungen dann auch noch Referenzen wie die Melvins ins Spiel bringen.
Klingt vielversprechend? Sag ich ja!
Sechs Jahre nach ihrem DIY-Release „Thundernoise“ und vielen zwischenzeitlichen Kleinformaten haben sie diese Woche ihren ersten regulären Longplayer mit Label-Unterstützung draußen! Darauf klingen sie doomiger, passagenweise sogar heavier und etwas übellauniger als erwartet, während sich psychedelische und gar leicht poppige Versatzstücke ziemlich natürlich anfügen. Und irgendwie kommt man nicht um die Feststellung, dass sich die Gitarristin mutmaßlich ein paar Leads bei Jeff Hanneman abgeguckt hat, denn der Schulterblick zu den langsameren Momenten von Slayer ist schon recht auffällig.
Wie schon gesagt: Sie sind und bleiben die Band für diejenigen, die (wie ich) der Ansicht sind, dass es mit Kylesa nach „Static Tensions“ eher bergab ging…

Mittwoch, 28. Juni 2017

Dieser Tage raus (KW26)

Zuerst dachte ich, dass diese Woche mal Ruhe ist, aber es kommen ja doch ein paar interessante Sachen raus…

BURIAL OATH – Beyond TheVale Of Shadowlands
Das Berliner Label Vendetta hat sich in den letzten Jahren zu sowas wie einer Nummer-Eins-Anlaufstelle für „linken Black Metal“ entwickelt.
Oft sind das (sieht man von den herausragenden Ultha ab) Releases, die mir in musikalischer Hinsicht irgendwie nicht weiter auffallen, handwerklich aber dennoch ziemlich top sind.
Die Schublade ist auf, BURIAL OATH passen rein. 




LOVIATAR – s/t
Für mich persönlich ist es ja doch ein kleine Überraschung, dass aus der derzeit inflationär übervölkerten Psychedelic/ Doom Ecke tatsächlich noch Bands auftauchen, die mich irgendwie beeindrucken.
Den kanadischen LOVIATAR gelingt das damit, gleichermaßen schon mal an „Heavy Folk“ wie Wovenhand zu erinnern, eine Zuneigung zu „echtem Old School Metal“ durchschimmern zu lassen, mit einer sehr klaren Soundästhetik auch noch was „postrockig-modernes“ zu haben und sich dann auch noch eine „Neunziger im besten Sinne (Alice In Chains, Kyuss, Tool, …)“-Schlagseite andichten lassen zu können… das alles allerdings äußerst homogen.
Ferner ist die Rhythmusarbeit echt knackig und die etwas verstrahlt-nöligen Vocals passen ziemlich gut dazu.
Chapeau!




OLDE WOLRDE NUDISTS - Ghost Pimp 2000
Und noch mal Doom-Eigenbrödler aus Kanada, die mit sludgeigem Sound und Groove, traditionellen Vibes, psychedelischen Ausflügen, zusätzlichen Instrumenten wie Keys und Flöte, sowie geteiltem Mann-/Frau-Gesang vielleicht ein bisschen viel auf ein mal wollen, aber uninteressant ist das Ganze nicht: 



PUBLIC ENEMY - Nothing Is Quick In The Desert
30 Jahre nach ihrem Debüt gibt’s „solange der Vorrat reicht“ (denn da gibt es bei Bandcamp Begrenzungen) das neue Album der wegweisenden „solche gibt’s heute gar nicht mehr“-Hip-Hop-Urgesteine zum Gratisdownload!
„It Takes a Nation of Millions to Hold Us Back“ ist natürlich ein unsterblicher Klassiker, es waren allerdings vor allem „Fear of a Black Planet“ und „Apocalypse 91... The Enemy Strikes Black”, die von damals über die Jahre immer wieder mal bei mir rotierten, u.a. auch weil der Hip Hop, den Chuck D., Flavor Flav und Terminator X damals gemacht haben durchaus auch seine noisygen Qualitäten hatte. Und an dieser Stelle muss man tatsächlich auch noch mal einen Shoutout an Anthrax machen (…).
Natürlich ist die Band heutzutage glatter und ich bin eigentlich eher zu Dälek und Death Grips weitergezogen, aber als ich „Nothing Is Quick In The Desert“ mal so nebenbei habe durchlaufen lassen, gefiel es mir echt sogar ganz gut!




VASARI - Starbound
Etwas, das nicht nur beim Zeitgeister-Label erscheint, sondern dann auch noch mit musikalischer und weiterer Unterstützung von Valborg-Mitgliedern entstand, hat zwangsläufig meine Aufmerksamkeit…
VASARI ist sowas wie das Soloprojekt des Duisburgers Matin Vasari, der sich hier seiner Vision von „Epic Metal“ (Crimson Glory, Virgin Steele, Manilla Road, Bathory…) und Einflüssen von Frühneunziger-Peaceville-Bands wie Anathema verschreibt. 


Freitag, 23. Juni 2017

Und sonst noch so? (2017er Resterampe, Teil 1)

Der Tage habe ich noch mal in die eine oder andere diesjährige Veröffentlichung reingehört, die um den Erscheinungszeitpunkt aus irgendwelchen Gründen durchs Raster fiel, aber auch mal eine Erwähnung wert ist:

CORPSE LIGHT – Mother of God
“Atmospheric Sludge/Doom from Baltimore, Maryland” sagt eigentlich schon ‘ne Menge aus, was man wissen muss. Man hat das alles natürlich irgendwie auch schon on origineller und spannender gehört. Was aber auch nicht heißen muss, dass man CORPSE LIGHT direkt ins Zweite-Wahl-Lager verbannen sollte.


El Yunque - Boxes
Irgendwas zwischen LoFi-Postpunk, “No Wave” und völligem Noise-Rumpelchaos (Harry Pussy, anyone?) ist die etwas unkonventionellere Musik dieser Truppe aus Hasselt, der zwar nicht jeder Song gelingt, aber die geilen Sachen auf „Boxes“ sind es dafür eben tatsächlich umso mehr!

HAWKS – No Cash Value
In Noiserock-Fankreisen gelten die HAWKS aus Atlanta schon länger als kommende Hausnummer, auf die man zählt.
Ihr aktuelles Album erschien im Februar über Learning Curve Records aus Minneapolis:


HEAVY HARVEST – Rats
In das Neunziger-Revival reihen sich auch die Schweizer HEAVY HARVEST ein, die ganz schön amerikanisch klingen und Erinnerungen an Helmet, Quicksand, frühe Nirvana u.ä. wecken. Nice!


HERSENCELLEN – We Ploeteren Voort
Artsyfartsy-wirres aus Belgien: Hinter HERSENCELLEN verbirgt sich eine Zusammenarbeit zwischen DJ, Produzent, Live-Elektroniker und Schlagzeuger Butsenzeller und dem Schriftsteller Gert Vanlerberghe.
Das Ganze ist eine echt seltsame Geschichte mit Jazz-Anflügen auf der einen, Synthies und Bollerbeats auf der anderen Seite und sogar noch einem gelegentlichen Abrutschen zum Punk (‘Saboteer‘).


IT IT ANITA - Agaaiin
Komischer Name? Sind ja auch ebenfalls komische Belgier. Die im Übrigen als Einflüsse bzw. eigene Vergleichsreferenzen auf ihrer Facebook-Seite Fugazi, Metz, At The Drive-In, Mogwai und Sonic Youth angeben und behaupten, dem „Krach der Neunziger einen eigenen Twist“ zu verleihen.
Wie gut oder nicht ihnen das gelingt sollte der Hörer wohl selbst entscheiden, schlecht geht allerdings auf jeden Fall anders:



MAGGOT HEART – City Girls
Obwohl ich bereits Vorankündigen dazu mitbekommen hatte, war es mir bei Veröffentlichung vor einigen Wochen dann ja doch irgendwie durchgerutscht. Einen Hauch hat das wohl auch was mit dem Reflex zu tun, nicht ins gleiche Horn tuten zu wollen wie gewisse Metal-Vorkoster, die wirklich jeden mäßig originellen Mumpitz abfeiern, dessen Protagonisten mal an ‘nem okkulten Buchladen vorbeigegangen sind und dabei schicke Patronengurte tragen können…
Wie dem auch sei: Linnéa Olsson war schon u.a. mit einer anderen Blondine zusammen Kernmitglied der kurzlebigen The Oath und danach auch mal kurz als Gitarristin beim Beastmilk-Sequel Grave Pleasures dabei.
Bei ihrem neuen Ding MAGGOT HEART kommen Mitglieder der aufgelösten In Solitude hinzu und es geht dementsprechend auch in eine Richtung, die zwischen erdigem Echtmetall alter Schule und punkigen Düsterrock-Vibes angesiedelt ist und, ja ich gebe es zu, zwar nicht weltbewegend aber ganz gut ist.



NEARLY DEAD - Idyllic Evening
Über Learning Curve Records kommt auch diese 10” von NEARLY DEAD, die mit ihrem fuzzy-noisigen Weirdo-Punk samt Trompeten-Unterstützung ein bisschen an die Cows erinnern.


NY IN 64 - The Gentle Indifference of the Nigh
Instrumental-Rockmusik muss man dieser Tage auch erst mal so hinkriegen, dass man nicht langweilt oder in eine schon von anderen genug ausgeschlachtete Kerbe schlägt.
NY IN 64 aus New Jersey schaffen es evtl. damit, eher zum etwas kräftigeren als zum übermäßig atmosphärischen zu neigen und ferner auch damit, nicht gleich zu sehr in progige oder mathige abzudriften.


PIQUET – Heywawisze
Dass etwas seltsame Bands aus Belgien mit irgendwie noiserockigen Tendenzen, die ihre eigene Nische finden, eigentlich schon länger ‘ein Ding‘ sind, das ist etwas, auf das wir uns durchaus einigen können, oder?
Packt in diese Schublade vielleicht auch mal PIQUET mit rein, die einerseits leicht poppigen Indierock mit Frauenstimme machen, der andererseits trotzdem etwas schräg und schrammelig-krachend daherkommt. Nicht uncool!


ROPE SECT - Personae Ingratae
In einem Atemzug mit Maggot Heat (s.o.) werden aktuell auch gerne mal ROPE SECT genannt, denn sie sind ebenfalls eine gothrockig angehauchte Band, die interessanterweise mitunter sehr auffällig im besonders truen Teil der Metal-Szene stattfindet. Was so weit geht, dass sich das vor allem für Gerumpel mit Finster-Image bekannte Label Iron Bonehead der Aufgabe aufgenommen hat, das zuvor als Tape erhältliche „Personae Ingratae“, das einen gewissen Garagen-Charme versprüht auf Vinyl zu pressen.
Ganz ehrlich? Nicht schlecht, aber mich hauts ja jetzt auch nicht gerade um…


SLUG13 - Chasing A Prize Worth Nothing
Auch die britischen SLUG13 schreiben sich von meiner Seite aus sehr geschätzte Haupteinflüsse wie The Jesus Lizard, Tad und Amphetamine Reptile gleich mal eben ganz offiziell direkt auf die Fahne. Das macht sie als gerade erst auf den Zug aufgesprungene Band vielleicht nicht übermäßig originell, aber zumindest erst mal relativ sympathisch.
Produktionstechnisch kann man das glaube ich auch noch einen Ticken besser hinkriegen als auf „Chasing A Prize Worth Nothing“, aber ein gewisses Potenzial birgt ihr breitbeinig-unsaniger Nosierock durchaus. 


YC-CY - Todestanz
Und zum Schluss sind wir gleich auch noch mal beim Stichwort Noiserock. Die Schweizer YC-CY hauen ihr erstes richtiges Album nach einem letztjährigen Demo raus und wissem mit ihrem wirklich lärmigen Post-Punk, der nicht unbedingt durch die generischsten Schablonen gepresst wurde, durchaus zu gefallen!